27.08.2007

Andermatt Gotthard Sportbahnen: Aktienkurs verdoppelt

Eine glatte Verdoppelung des Aktienkurses haben im vergangenen Monat die Andermatt Gotthard Sportbahnen erlebt. Sawiris-Effekt? Seitdem Samih Sawiris in Andermatt ein Resort plant und seine Pläne auch noch auszuweiten scheint, haben einige Investoren Gefallen an den Titeln der Sportbahnen gefunden. Sie hoffen, die Bahn werde bei einem möglichen Tourismusboom in der Region stark profitieren. Die Papiere stiegen von Fr. 6.50 auf 13 Fr. Der grosse Kursanstieg wird aber durch das – trotz der erhöhten Nachfrage – nach wie vor geringe Handelsvolumen relativiert. Wie viele Nebenwerte sind auch die Titel der Sportbahnen sehr illiquid, so dass so grosse Kursausschläge schnell möglich sind.

21.08.2007

Die richtige Einstellung

"I grew up in Andermatt, but live in Southern California (Mammoth) now. I have skied all over the world and Andermatt is still one of the best for serious skiers that want great snow! The new management on the Gemstock is doing a fine job, keep it up! "

Benno Nager, COO der Andermatt Alpine Destination Company (AADC), am 31.01.2000 im goski.com Resort-Forum.

Das geflügelte Wort

"Meine einzige politische Ambition ist, dass die Menschen uns (Orascom) hier wollen – während des Projektes, und auch dann, wenn dieses einmal abgeschlossen ist. Das Gefühl willkommen zu sein, das ist mein Ziel."

Samih Sawiris gegenüber swissinfo.ch auf die Frage, wie aktiv er politisch werden wolle, wenn Orascom im Zuge des Resort-Projektes einmal der grösste Arbeitgeber in Andermatt werden sollte.

20.08.2007

Geschichten von Zgraggen Schagg: Sport statt Stacheldraht

Höchste Zeit, wieder einmal ein Zückerchen des begnadetsten Uri-Bloggers, Zgraggen Schagg, zu publizieren. Schmunzeln erlaubt.

20.07.2007
Andermatt: Sport statt Stacheldraht
Von schagg.zgraggen @ 17:01

"Das riesige Tourismus-Grossprojekt des Ägypters Samih Sawiris in Andermatt und Hospental ist seit heute ganz konkret. Herr Sawiris hat laut Medien offenbar heute alle Projektstudien gezeigt. Was mir gefällt: die globalisierte Schickeria und der lokale Bergler-Stamm werden nicht durch Mauern, Stacheldraht oder gar durch Landminen getrennt. Im Gegenteil! Herr Sawiris respektiert ein Anliegen Andermatts: Die geplante Sportanlage soll das neue Resort mit dem alten Dorf verbinden. Keine Beiz, kein Kinderspielplatz, kein Parkplatz und kein Bordell, nein, der Sport verbindet die Welten.Wir dürfen uns nun darauf freuen, dass Adolf Ogi unweigerlich die Eröffnungsrede halten wird. Und noch mehr freue ich mich, wenn drahtige Urnerinnen und Urner den magersüchtigen Models und den gelifteten Hedge Fund-Managern davonjoggen. Aber: Falls völlig überraschend die Schickeria die Einheimischen besiegen sollte, dann ist das nicht so schlimm. Sicher können sich die Andermatter einen Schickeria-Psychiater leisten."


Bild: Zgraggen Schaggs E-Visitenkarte

"Zurückgebliebenes Hochtal"

Am 17. August befasste sich die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem Leitartikel mit der Abschaffung der Lex Koller. Unserem attraktiven Land drohe die Zersiedelung. Angespielt wird u. a. auf das Tourismus-Resort im Urserental: "Der noch bestehende Gesetzesrahmen gestattet schon jetzt Ausländern, im grossen Stil in der Schweiz tätig zu sein. Der ägyptische Investor Samih Sawiris plant in Andermatt eine weitläufige Ferienanlage - eine Hoffnung für die Menschen in dem zurückgebliebenen Hochtal am Gotthard und konzipiert mit dem Einverständnis der Naturschützer. " Hoffnung ja, aber zurückgeblieben? Weiter zum Artikel in der FAZ...

17.08.2007

Bisherige Schritte der öffentlichen Hand

Vergessen wir ob all der Medienpräsenz von Samih Sawiris die öffentliche Hand nicht. Hier ein kleiner Überblick, was auf Behördenseite bisher alles abging.

Bisherige Schritte
Alles zum Andermatt-Resort auf der Kantonswebsite

13.08.2007

So könnten die Villen aussehen

Die Architekturbüros Scheitlin-Syfrig+Partner sowie «Masswerk» werden - falls sie den definitiven Zuschlag erhalten - Villen im Andermatt-Resort bauen. Insgesamt 50 Villen würden entstehen. Die Architekten haben Entwürfe für zwei Villenprototypen eingereicht: 300 und 550 Quadratmeter Wohnfläche.

«Bis jetzt war es erst ein Warmlaufen», sagte Matthias Baumann vom Büro «Masswerk» gegenüber der Online-Plattform zisch.ch. «Zuerst müssen die Sawiris-Leute Käufer für die Villen finden. Daraus resultieren dann allenfalls weitere Architekturaufträge.» Die von «Masswerk» geplanten Villen dürften um die 2 respektive 4 Millionen Franken kosten.


Bild: Golfen vor dem Haus - Steinboden und Kuhfell im Innern:
Grosse Villa, geplant von der Arbeitsgemeinschaft Masswerk (Kriens)
und Graber & Pulver (Zürich). Bild: Architron

Hintergrund: "Sawiris macht vorwärts" (Quelle: Schweiz Aktuell)

Erneuerbare Energien für Resort?

Landrat Armin Braunwalder (GB Uri, Erstfeld) ist überzeugt: Die Strom- und Wärmeversorgung des geplanten Ferienresorts Andermatt kann zu 100 Prozent durch einheimische erneuerbare Energien gedeckt werden. Braunwalder lässt seiner Überzeugung Taten folgen: Er hat eine kleine Anfrage zu diesem Thema eingereicht. Klar ist, dass der Regierungsrat dem Investor nicht vorschreiben kann, dass die Wärme- und Stromversorgung des Ferienresorts zu 100 Prozent aus einheimischen, erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Braunwalder setzt darauf, dass Samih Sawiris dieses Ziel aus eigener Überzeugung erreichen will und hofft, dass die Urner Regierung dabei tatkräftige Unterstützung bietet. Siehe auch Beitrag "Ohne (Öko-)Strom kein Licht"

08.08.2007

Weiteres VBS-Land für Resort?

Gemäss Tages Anzeiger tritt das Militär möglicherweise weitere Flächen an Samih Sawiris ab. Sie würden gut in das Tourismus-Projekt passen. Gespräche stehen an. Das VBS und Sawiris sind erneut am Verhandeln. Es geht um zusätzliche Flächen, die die Planer des Resorts allenfalls gerne überbauen würden. Das Gebiet ist kleiner und liegt direkt nördlich des Bahnhofs – an einem für Andermatt zentralen Ort. Bis anhin hiess es im VBS stets, dass diese Parzellen nicht zur Verfügung stünden. Offenbar sieht es heute anders aus. «Wir wurden angefragt, ob wir auch dieses Gebiet zur Verfügung stellen können», sagt Ulrich Appenzeller, Leiter Immobilien bei armasuisse. Gespräche sind für Mitte September angesagt. «Samih Sawiris wird das Angebot des VBS prüfen und überlegen, ob sich dieses Gelände in das Resort integrieren lässt», sagt Franz Egle. Egle ist Verwaltungsrat der Firma «Andermatt Alpine Destination Company», die das Resort erstellt. Samih Sawiris hat wiederholt betont, dass er sein Resort gerne mit dem alten Andermatt verbinden würde. Die nun zur Diskussion stehenden Parzellen der Armee bilden eine Art Riegel zwischen den geplanten Anlagen und dem bestehenden Dorf. Es stehen dort Werkhallen, ein Kommandogebäude, die Heizzentrale und die relativ neue Mehrzweckhalle; in dieser Halle pflegt Sawiris jeweils die Bevölkerung über seine Pläne zu informieren. Zum Artikel

Verhandlungen mit Bauern: Es geht vorwärts

Bislang wurden die Bauern, die ihr Land zur Verfügung stellen müssen und auf Ersatz warten, auf eine Geduldsprobe gestellt genauso wie jene Landwirte, die bereit sind, ihren Betrieb im Urserntal aufzugeben. Das sorgte bisweilen für Unmut. Jetzt gehts vorwärts. «Bis Ende Sommer sollen konkrete Ergebnisse vorliegen», sagt Markus Baumann, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft. Er begleitet die Verhandlungen der Sawiris-Firma Orascom mit den Bauern im Urserntal. Und er ist zuversichtlich, «dass wir für alle Beteiligten eine nachhaltige und vernünftige Lösung finden». Verhandlungen brauchen Zeit Derzeit führen Kanton und Orascom intensiv Gespräche mit den einzelnen Landeigentümern. «Wir haben alle nötigen Abklärungen getroffen und sind jetzt daran, Verträge abzuschliessen», sagt Baumann. «Letztlich muss es vor allem für die Bauern stimmen.»

07.08.2007

Bundesträtliches Lob für Adermatter

Die Andermatter bekamen anlässlich der 1. August-Ansprache von Christoph Blocher bundesrätliches Lob. Mit den Entscheiden zum Tourismusprojekt des Ägypters Sawiris, mit den Debatten um das Für und Wider, habe man nach urdemokratischer Tradition gehandelt und gezeigt, wie die Schweiz funktioniere: «Von unten nach oben!»

Grössere Investition als geplant?

Bisher war von einer Investion von 500 Mio. US-Dollar die Rede. Mittlerweilen spricht man von einer Milliardenivestition ins geplante Tourismusresort. Samih Sawiris will in Andermatt laut Urner Wochenblatt vom 4. August 2007 mehr Geld als ursprünglich geplant investieren, nämlich mindestent eine Milliarde US-Dollar. Zur Erhöhung der Investitionssumme sagte Samih Sawiris in einem Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung, Orascom wolle die meisten Hotels in der eigenen Hand behalten. Weiter sagte er, dass direkt und indirekt mehrere Tausend Personen durch das Resort eine Beschäftigung finden würden. Einfach "Andermatt" Zur Frage, wie die Destination heissen werde, sagte er: "Einfach Andermatt. Alles andere macht keinen Sinn."

Ohne (Öko-)Strom kein Licht

Die Energieversorgung des künftigen Resorts war bisher - zumindest in der Öffentlichkeit - kaum ein Thema. Das ist erstaunlich. Denn: Vom ökologischen Aspekt her ist sie ein zentrales Thema. Angesichts des "global warming" durch die Verbrennung von fossilen Brenn- und Treibstroffen sowie der drohenden Versorgungsengpässe bei Erdöl, Erdgas und Elektrizität stellt sich die Frage, welche Strategie Samih Sawiris bei der Energieversorgung des Resorts verfolgt. Setzt er auch hier neue Zeichen? Baut er die Gebäude lediglich nach geltenden Bauvorschriften? Oder erstellt er sie zumindest nach Minergie-Standard? Wie wird die Raumwärme für die Gebäude erzeugt? Setzt der Investor hier konsequent auf die Nutzung der Abwärme von Maschinen, elektrischen Geräten und Menschen sowie erneuerbare Energien wie Erdwärme, Sonnenenergie, Holz und Biogas? Kommen im künftigen Resort stromsparende Technologien zum Zug - von der Beleuchtung über Umwälzpumpen bis zu hoch effizienten Haushaltsgeräten? Potenzial im Urserntal vorhanden Potenzial für eine ökologische Energieversorgung ist im Urserntal zur Genüge vorhanden. Drei neue Windkraftanlagen auf dem Gütsch können zusätzlich vier Millionen Kilowattstunden liefern - genug Ökostrom für die Versorgung von 1000 Durchschnittshaushalten. Das von der IG Witenwasseren zur Realisierung vorgeschlagene Wasserkraftwerk Mutten-Sunnsbiel würde jährlich rund 40 Mio. Kilowattstunden liefern - genug Ökostrom, um zwei Dörfer von der Grösse Erstfelds zu versorgen. Ein Biogaskraftwerk, das biogene Abfälle aus urschner Haushalten, Hotels und Landwirtschaft verwertet, könnte neben Ökostrom auch Abwärme zur Beheizung von Gebäuden des Resorts liefern. Imagegewinn und Kompensation Mit einer Strategie, die den Energieverbrauch des Resorts auf ein Minimum reduziert, wird es möglich, die Wärme- und Stromversorgung zu 100 Prozent aus einheimischen, erneuerbaren Energien sicherzustellen. Ein doppelter Gewinn für Sawiris: Erstens würde dies das bereits positive Image des Investors weiter untermauern. Zweitens könnte so ein wesentlicher Kompenstationsbeitrag geleistet werden für die klimaschädigenden Treibhausgase, die die Gäste des Resorts bei ihrer An- und Rückreise erzeugen werden. Mehr noch: Mit dieser Strategie würde im Urserntal nicht nur europa-, sondern weltweit ein einmaliges Vorzeigeprojekt realisiert.

22.07.2007

Quartiergestaltungspläne werden erstellt

Seit dem 20. Juli 2007 ist bekannt, wer das neue Andermatt planen wird. 29 Architektenteams sind von der achtköpfigen Jury ausgewählt worden. Im nächsten Schritt werden nun die Quartiergestaltungspläne erstellt. «Wir haben in den letzten Tagen wichtige architektonische Entscheide getroffen», sagte Investor Samih Sawiris anlässlich der Bekanntgabe der Architekturteams für das Tourismusprojekt Andermatt. «Wir sehen nun, dass Vorschläge der Architekten komplementierend mit der Seele des Dorfes wirken.» Mit der Auswahl der namhaften und international vertretenen Architekturteams ist man nun einen weiteren Schritt näher an der Realisierung des Grossprojektes in Andermatt. Es sind 29 Architekten, die in den nächsten Monaten das neue Andermatt gestalten werden. Zudem wurde bekannt gegeben, dass die Andermatt Alpine Destination Company (AADC), die das Tourismusprojekt realisiert, von Benno Nager als Chief Operating Officer (COO) geführt wird. «Es freut uns ausserordentlich, einen so kompetenten Mann verpflichtet zu haben», so Samih Sawiris zu seinem neuen Teammitglied. Zusammenspiel mit dem bisherigen Stil Bei der Auswahl der Architekturteams waren verschiedene Aspekte ausschlaggebend. «Unter anderem war das Zusammenspiel mit dem bisherigen Stil des Alpendorfes wichtig», betonte der Leiter der Auswahljury, Kurt Aellen. Selbst eines der wichtigsten und grössten Projekte, das Sportzentrum, soll sich geschmeidig in die bisherigen Strukturen einfügen. Zwei Projekte wurden vorgestellt. Beide beeindrucken mit einer selbstverständlichen Einbindung in die Umgebung. Der wohl wichtigste Teil wird das Zentrum sein. Hier gelte es, das Programm einer gewachsenen Struktur darzustellen. Die Lebendigkeit eines Dorfkernes soll eingefangen werden. Traditionelle Elemente der Stein- und Holzarchitektur, die man in Andermatt vorfindet, werden dabei konsequent weiterverfolgt. «Touristen möchten die Tradition sehen, aber auch Komfort erleben», so Kurt Aellen. «Die Vorschläge der Architektenteams sind homogen und doch diversifiziert», sagte Samih Sawiris begeistert. Akzeptanz bei den Einheimischen wichtig «Unsere anfänglichen Ideen wurden somit voll und ganz umgesetzt.» Für den Investor ist es wichtig, dass das Tourismusprojekt zuerst von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert wird. Sie seien seine ersten Kunden. Auch zur Einhaltung des Zeitplanes gab man sich vorwiegend positiv. In einer nächsten Phase werden nun alle Projekte und Vorschläge von den Architekten überarbeitet. Am 10. September folgt ein erster Workshop, bei dem alle Ideen an einen Tisch gebracht werden. In Zusammenarbeit mit den Behörden, den Architekten, Umwelt- und Technikspezialisten werden diese genau analysiert. Dreimal wird man dieses Prozedere wiederholen, damit bei der Eingabe keine bösen Überraschungen warten. Man rechnet damit, dass man Anfang Mai die Bewilligung für die Quartiergestaltungspläne auf dem Tisch liegen hat. Eine erste Bauphase soll im Frühjahr 2009 beginnen, und die Inbetriebnahme der ersten Etappe ist auf Ende 2010 geplant. Um welche Bauten es sich in der ersten Bauetappe handelt, ist bisher nicht bekannt. «Wir sind sehr zuversichtlich, den Zeitplan einzuhalten», sagte Samih Sawiris abschliessend. Und der Ägypter schien bereits Gefallen an Schweizer Eigenarten zu entwickeln. «Ich habe in der Schweiz gelernt, dass es manchmal besser ist, langsam, aber sicher vorzugehen.»

Benno Nager COO der Andermatt Alpine Desination Company

Mit Benno Nager wird ein gebürtiger Andermattner zur wichtigen Person rund um das Projekt.
Nach seiner Lehre zum Tiefbauzeichner sowie einem beruflichen Abstecher zum Bau des Furka-Basistunnels wanderte er im Alter von 21 Jahren nach Kalifornien aus. Bei verschiedenen Skiresortbetreibern durchlief Benno Nager eine beeindruckende Karriere. Unter anderem war er Vice President of Operations der beiden Skigebiete Big Bear und Snow Valley. Der Andermatter wurde zudem Planungschef von Mammoth Mountain, einem der grössten Skiresorts Nordamerikas. Später verlagerte er seinen Aufgabenbereich in die Entwicklung von Golfplätzen, Apartmenthotels sowie in den Bau von über 500 Ferienwohnungen und war verantwortlich für den Bau zweier Hotels. Benno Nager tritt seine Stelle als COO der Andermatt Alpine Destination Company am 1. September an. Er ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes.

17.07.2007

Hintergrund: Ein Tal voller Forscher

Keine andere Landschaft der Schweiz wird so genau erforscht wie das Urserntal im Kanton Uri – von Historikern, Botanikern und Biologen. Der erste Impuls kam aus dem Tal: Im Jahr 2002 beauftragte die Korporation Ursern den Basler Geschichtsprofessor Martin Schaffner mit der Sanierung des umfassenden, aber ungeordneten Talarchivs. «Wenn das Tal eine Zukunft haben soll, muss sich in den Köpfen der Menschen einiges ändern. Darum müssen wir uns mit unserer Geschichte befassen», hatte der damalige Talammann Karl Danioth erklärt. Die Talgemeinde blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück, über 90 Prozent des Urserntals sind in ihrem Besitz: die ganze grandiose Landschaft zwischen den Pässen Oberalp, Gotthard und Furka mit den Orten Andermatt, Hospental und Realp. Was mit einer historischen Auftragsarbeit begann, hat sich auch dank der Unterstützung durch Korporation und Kanton Uri zu einer für die Schweiz ungewöhnlich praxisnahen Zusammenarbeit von Historikern, Botanikern und Biologen entwickelt: Christian Körner, Professor für Botanik an der Universität Basel, forscht seit 16 Jahren auf der Furka, wo er zusammen mit der Botanikerin Erika Hiltbrunner eine alpine Forschungs- und Ausbildungsstätte aufgebaut hat. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Disziplinen war ursprünglich nicht geplant, denn obwohl alle Wissenschafter der Uni Basel angehören, kannte man sich nicht. Es war die Korporation Ursern, die den Kontakt zwischen Geistes- und Naturwissenschaftern herstellte. Inzwischen arbeiten auch Forscher aus den Instituten für Geoumweltwissenschaften und für europäische Ethnologie der Uni Basel im Tal. Seit klar ist, dass der ägyptische Investor Samih Sawiris voraussichtlich im nächsten Frühling mit dem Bau einer riesigen Tourismusanlage beginnen wird, herrscht in Andermatt Aufbruchstimmung. Es mehren sich die Baustellen, die touristische Hochblüte wird freudig erwartet. Im Jahr 2003, als die Projektgruppe des Historischen Seminars Tausende von Dokumenten aus der Zeit von 1800 bis 1950 zu sichten begann, war das anders. Mit dem Abbau der militärischen Präsenz in den 1990er Jahren war ein Vakuum entstanden, eine kollektive Depression, die sich unter anderem in einer starken Abwanderung äusserte. Während eines Jahres entzifferten, bewerteten und ordneten die Historiker damals jedes Dokument und nahmen es je nach Gehalt in den neuen Bestand auf. Nach der Erstellung dieses für den Alpenraum einzigartigen Archivs (das heute im Rathaus von Andermatt zugänglich ist) folgte eine wissenschaftliche Auswertung in Form mehrerer Forschungsarbeiten. Ein wichtiges Thema war die Tourismusgeschichte des Tals: Schon vor 150 Jahren hat Andermatt einen radikalen Wandel erlebt, als es sozusagen über Nacht von einem kleinen Dorf an der Route über den Gotthardpass zu einem Reiseziel für die wohlhabende Oberschicht wurde. Noch vor der Eröffnung des Gotthardtunnels im Jahr 1882 entstanden drei Grand-Hotels. Die Engländerinnen, die damals in Kutschen angefahren kamen, hatten klare Vorstellungen von den Alpen. Die Realität war anders: «Die Städter mochten beispielsweise keine frische Milch, weil sie nach Stall riecht. Also wurde die Milch aufgekocht, abgekühlt und für die Touristen wieder auf Kuhtemperatur aufgewärmt», erzählt Silvia Scheuerer. Die Historikerin arbeitet an einer Dissertation zum Thema «Das Hotel als Plattform des Kulturtransfers», in deren Rahmen sie mit Zeitzeuginnen der Frage nachgeht, ob und wie das idealisierte Alpenbild der Städter zu dem der Einwohner geworden ist. Ein anderer Aspekt ist die Nachhaltigkeit des damaligen Tourismus: «Den ersten Globalisierungsschock erlebte das Dorf nach dem Ersten Weltkrieg, als die Touristen plötzlich ausblieben», erzählt Silvia Scheuerer. Doch im Unterschied zum heute geplanten Sawiris-Grossprojekt wurden die damaligen Tourismusprojekte von Unternehmern aus dem eigenen Tal lanciert, die als Vermittler und Übersetzer zwischen den Erwartungen der Touristen und der Talbevölkerung wirkten. Inhaltlich eng verknüpft ist eine Forschungsarbeit zur Bedeutung der Landwirtschaft im Urserntal von 1950 bis heute – Rahel Wunderli führt für dieses Oral-History-Projekt Interviews mit Bewohnern des Tales. Mit der Perspektive des Sawiris-Projekts beginnt man in Andermatt heute zu realisieren, dass die Landschaft tourismuskonform sein muss: Erwünscht ist ein möglichst vielfältiger Naturraum, in dem man gerne wandert und sich aufhält. Gerade dieses Ziel ist aber nur mit der traditionellen Landwirtschaft zu erreichen: Grosse Teile der Landschaft sind zum Beispiel nach dem Rückzug der Landwirtschaft verbuscht und damit für Fussgänger kaum mehr passierbar. Auf der Fahrt von Andermatt auf den Furkapass zeigt die Botanikerin Erika Hiltbrunner auf die Grünerlen, die sich am Talhang über weite Strecken ausgebreitet haben. Die Korporation hat sie gebeten, eine Strategie gegen das grüne Dickicht zu entwickeln, denn Grünerlenbüsche lassen sich, wenn sie einmal Fuss gefasst haben, kaum mehr roden. Dazu kommt, dass sie die Stabilität der Hänge untergraben, weil mit einer Monokultur die unterirdische Vielfalt der Wurzeln abnimmt: «Biodiversität ist eben auch aus Gründen der Sicherheit relevant», betont Erika Hiltbrunner. Hochdiverse Pflanzendecken, die aus vielen Pflanzen mit unterschiedlichen Wurzellängen bestehen, wirken durch dieses reich strukturierte Wurzelwerk der Gravitationskraft entgegen und stabilisieren die Steilhänge. Es ist bereits der sechste Sommer, den Erika Hiltbrunner auf dem Furkapass auf 2450 Metern Höhe verbringt. Die neue alpine Forschungs- und Ausbildungsstation ist ein Projekt der Universität Basel und der Korporation Ursern. Sie ist in der Schweiz die einzige Forschungsstation oberhalb der natürlichen Waldgrenze und befindet sich in Gebäuden des ehemaligen militärischen Truppenlagers. Gleich hinter der Militäranlage werden seit Mai letzten Jahres neun verschiedene Pflanzenarten des Gletschervorfeldes einer erhöhten Kohlendioxidkonzentration ausgesetzt, wie sie für das Jahr 2070 erwartet wird. Jede Pflanze wurde zuvor ausgegraben, gewogen und wieder in den Boden eingepflanzt. Der Versuch ist auf drei Jahre angelegt. Bisherige Beobachtungen zeigen, dass die Pflanzen des Gletschervorfeldes auf ein erhöhtes CO 2 -Angebot nicht mit einem grösseren Wachstum reagieren. Ein anderes Projekt untersucht den Einfluss einer nachhaltigen Beweidung auf den Wasser-Ertrag in alpinen Einzugsgebieten. Dank dem neuen Archiv kann Erika Hiltbrunner in Erfahrung bringen, wie die Landnutzung in früheren Zeiten ausgesehen hat: «Ich sehe beispielsweise, welche Zonen wann mit welcher Viehdichte genutzt wurden. Wo heute Grünerlen stehen, weideten früher die Geissen. Oder ein anderes Beispiel: Wenn ich lese, dass die Bäume des Schutzwaldes aus dem Schwarzwald stammen, wird mir sofort klar, weshalb sich die Bäume hier oben nicht versamen.» Der Basler Biologe Daniel Küry erforscht Quellen und die Frage, wie deren Lebensraum aufgewertet werden kann. Geplant ist ein internationales und interdisziplinäres Alpenquellen-Projekt, das auch eine Untersuchung über die historische Bedeutung von Trinkwasserquellen enthält. Wie reich der Lebensraum Quelle ist, demonstriert Küry auf der Nordseite des Gotthards. Von Auge erkennt er auf einem Stein die ebenso winzigen wie wichtigen Quellbewohner: Alpenstrudelwurm, Eintagsfliege und Sumpfkäfer. «Was uns alle verbindet sind ebenfalls Quellen – die mangelnden Geldquellen nämlich», meint Erika Hiltbrunner. Am Tisch im renovierten Archivraum, wo sich die Forscher austauschen, wird aber deutlich, dass es noch ein anderes gemeinsames Anliegen gibt. Martin Schaffner formuliert es folgendermassen: «Wir alle möchten, dass die Verfügbarkeit über Ressourcen wie Boden, Wasser und Landschaft im Tal bleibt.» Die Landschaft soll tourismuskonform sein: Erwünscht ist ein Naturraum, in dem man gerne wandert. (Quelle: NZZ Online / NZZ am Sonntag, Daniela Kuhn)

12.07.2007

Andermatt Alpine Destination Company: Medienkonferenz am Freitag, 20. Juli

Medienkonferenz am Freitag, 20. Juli 2007, 11.00 Uhr, Aula Bodenschulhaus, Andermatt. Themen:
  • Präsentation der eingereichten Architektur-Projektstudien und Bekanntgabe der für die Entwicklung der Quartiergestaltungspläne ausgewählten Architekturteams.
  • Vorstellung des neu ernannten Chief Operating Officers (COO) der Andermatt Alpine Destination Company (AADC)
  • Die weiteren Schritte bei der Realisierung des Ferienresorts.

Anwesend sein werden Samih Sawiris, Chairman Orascom Hotels & Development, Max Germann, architektonischer Berater AADC, Benno Bühlmann, Projektleiter Ferienresort seitens des Kantons Uri sowie die Mitglieder des Architekten-Auswahlgremiums.

02.07.2007

Noch ein Resort im Urserntal?

Das Resortfieber grassiert immer stärker im Urserntal. Nach dem Sawiris-Projekt in Andermatt, will ein weiterer Investor auch in Realp ein Tourismusprojekt realisieren. Gesprochen wird von einer Investition in zweistelliger Millionenhöhe.

Da und dort wurde gemunkelt, seit der Gemeindeversammlung vom Donnerstag, 28. Juni, in Realp ist es bestätigt: Ein auswärtiger Investor beschäftigt sich mit der Vision, in der Fuchsegg ein Ferienresort zu realisieren. Dafür wäre er bereit, mehrere Millionen Franken zu investieren. Wie Gemeindeschreiber Karl Cathry gegenüber dem «Urner Wochenblatt» bestätigte, wurden erste Gespräche – auch bei kantonalen Stellen – geführt. So wurden Abklärungen beim Amt für Raumplanung getroffen, und auch der Volkswirtschaftsdirektor sei entsprechend informiert worden. «Nun liegt es am Investor, der Gemeinde konkrete Unterlagen zu liefern», erklärt Karl Cathry.

Regierung: Standort ungeeignet
Anders sieht es die Urner Regierung. «Das Gebiet oberhalb von Realp eignet sich nicht, um hier ein Tourismusprojekt zu verwirklichen», sagte Justizdirektorin Heidi Z'graggen gegenüber der Urner Zeitung. Der Grund: 2005 hat der Regierungsrat verschiedene Standorte im Urserental für das von Sawiris geplante Tourismusresort beurteilt. Dabei wurde auch der Standort GalenstockFuchsegg unter die Lupe genommen. Der Regierungsrat kam zum Schluss, dass sich das Gebiet für das Projekt nicht eignet. Dies vor allem aus Gründen des Landschaftsschutzes.

29.06.2007

Gotthard: Nicht nur Sawiris-Projekt

Kleine Zwischenbemerkung, bevors vergessen geht: Der Gotthard ist schon länger eine touristische Attraktion, und nicht erst, seit Samih Sawiris Andermatt in eine Weltdestination à la St. Moritz "verwandeln" will.

Auch die Porta Alpina, die Gotthardstrecke als Unesco-Kulturerbe zur Beibehaltung der SBB-Bergstrecke von Göschenen nach Andermatt sowie die Dampfbahn der Furka-Bergstrecke lassen neue Hoffnung keimen. Unterstützt. Gestärkt wird diese zudem durch den Bericht Prego «Das Herz der Alpen im Zentrum Europas» der Kantonsregierungen Uri, Wallis, Tessin und Graubünden an den Bundesrat.

Weitere spannende Projekte mit Potenzial sind am Entstehen: So wird aus der einst geheimen Gotthardfestung im Sommer 2008 der moderne Themenpark Sasso San Gottardo. Und auch im Goms sind jetzt erste Ansätze in Richtung eines Resorts spürbar. Die zukünftigen Möglichkeiten in der Gotthard-Region als Symbol der Schweiz gibt uns Bewohnern des Gotthardgebietes zu neuer Hoffnung Anlass.

MGB: Rosige Zukunft dank Sawiris?

Am 25. Juni 2007 wurde in Oberwald 25 Jahre Furka-Basistunnels gefeiert. Eine Erfolgsgeschickt mit weiterhin rosiger Aussicht.

In früheren Jahrzehnten hatte der Basistunnel vor allem wegen der Kostenüberschreitungen für negative Schlagzeilen gesorgt. Ein Viertel Jahrhundert später wurden nun an der Feier in Oberwald die positiven Aspekte gewürdigt.
Eine Wertschöpfungsstudie des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus der Universität Bern im Auftrag der Matterhorn-Gotthard-Bahn kommt zum Schluss, dass der Tunnel die Abwanderung aus dem Goms gestoppt und dem Glacier-Express zum Erfolg verholfen hat.

Wachstumsschub dank Tourismusprojekt?
Auch die Zukunftsperspektiven seien gut. Die einzige durchgehende Ost-West-Verbindung durch die Alpen stehe vor einem neuen Wachstumsschub. Dabei setzt man auch auf das Tourismusprojekt von Samih Sawiris in Andermatt.